Die Kartusche ist leer, der Mülleimer steht einen Meter weiter, und niemand schaut. Trotzdem ist das der falsche Weg, und zwar aus mehreren Gründen gleichzeitig: rechtlich, wirtschaftlich und ökologisch.
Eine Tonerkartusche ist kein Stück Plastik. Sie enthält einen Chip, Metallteile, Federn, eine beschichtete Walze und Pulverreste. Damit zählt sie zum Elektroschrott und gehört nicht in den Restmüll. Hier steht, welche Wege es gibt.
Warum der Hausmüll ausfällt
Zwei Gesetze sind einschlägig. Das Elektro- und Elektronikgerätegesetz erfasst Bauteile mit elektronischen Komponenten, und der Chip in der Kartusche ist genau das. Das Kreislaufwirtschaftsgesetz verlangt darüber hinaus, Abfälle so zu behandeln, dass Wertstoffe zurückgewonnen werden können.
Praktisch kommt dazu: In der Müllverbrennung verbrennt der Kunststoff, die Metalle gehen verloren, und das Gehäuse, das noch fünf weitere Runden gelaufen wäre, ist weg. Wer eine Kartusche in den Restmüll wirft, vernichtet ein Bauteil, für das es einen funktionierenden Markt gibt.
Für Privathaushalte
Sie haben mehrere Möglichkeiten, alle kostenlos.
- Wertstoffhof oder Recyclinghof der Kommune. Leere Kartuschen werden als Kleinelektrogerät kostenlos angenommen. Der kürzeste Weg, wenn Sie ohnehin hinfahren.
- Rücknahmesysteme der Hersteller. Die meisten großen Marken stellen Freiumschläge oder Sammelkartons bereit, die Sie online anfordern und kostenlos zurücksenden.
- Sammelboxen im Handel. Viele Elektromärkte und Bürofachhändler haben Behälter im Eingangsbereich.
- Aufbereitungsbetriebe. Manche kaufen leere Originalgehäuse auf, je nach Modell für einen kleinen Betrag. Bei gängigen HP- und Brother-Nummern lohnt sich das ab etwa zehn Stück.
- Sammelaktionen von Schulen und Vereinen. Eine verbreitete Form der Spendensammlung, bei der die Kartuschen an Aufbereiter weitergehen.
Wichtig in allen Fällen: Die Kartusche in einem Beutel oder in der Verpackung der neuen Kartusche transportieren. Restpulver tritt aus, und im Kofferraum will das niemand haben.
Für Unternehmen, Behörden und Schulen
Hier ist die getrennte Erfassung keine Empfehlung, sondern Pflicht. Gewerbliche Abfälle unterliegen dem Kreislaufwirtschaftsgesetz mit Dokumentationspflichten. Je nach Menge und Bundesland kommen Nachweise über den Entsorgungsweg dazu.
Was sich in der Praxis bewährt hat:
- Einen Sammelbehälter an einem zentralen Ort aufstellen, idealerweise neben dem Drucker mit dem höchsten Volumen.
- Einen Entsorger oder Aufbereiter beauftragen, der auf Abruf abholt und eine Bestätigung ausstellt.
- Die Bestätigungen aufbewahren. Bei Behörden und öffentlichen Einrichtungen ist das Teil der Beschaffungsrichtlinien, bei Unternehmen mit Umweltzertifizierung Teil des Audits.
- Im Beschaffungsprozess festhalten, dass wiederaufbereitete oder kompatible Kartuschen bevorzugt werden. Das ist bei öffentlichen Ausschreibungen zunehmend ein Kriterium.
Wenn bei Ihnen größere Mengen anfallen, rufen Sie an. Wir organisieren die Abholung, auch für Bestände, die nicht von uns stammen.
Was in einer Kartusche steckt
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Bestandteil |
Anteil grob |
Verwertung |
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Kunststoffgehäuse, meist ABS und HIPS |
rund 40 Prozent |
wiederverwendbar oder granulierbar |
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Metallteile, Federn, Achsen |
rund 20 Prozent |
stofflich verwertbar |
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Trommel und Walzen mit Beschichtung |
rund 25 Prozent |
Austauschteil im Remanufacturing |
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Tonerreste |
5 bis 10 Prozent |
gesondert abzuscheiden |
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Chip und Elektronik |
klein, aber relevant |
Elektroschrott |
Der ökologisch entscheidende Punkt liegt beim Gehäuse. Ein neues Gehäuse zu spritzen verbraucht deutlich mehr Energie, als ein bestehendes zu reinigen und neu zu bestücken. Genau dort haben wiederaufbereitete Kartuschen ihren größten Vorteil, nicht beim Preis.
Wie der Kreislauf funktioniert
Ein Aufbereitungsbetrieb nimmt leere Originalgehäuse an, sortiert nach Modell und prüft auf Risse. Dann wird die Kartusche geöffnet, vollständig gereinigt, und die Verschleißteile werden getauscht: Dichtstreifen, Entwicklerwalze, bei Bedarf die Trommel. Anschließend wird neu befüllt, ein neuer Chip gesetzt und auf einem Testgerät geprüft.
Ein Gehäuse übersteht diesen Vorgang je nach Bauart drei bis sechs Mal. Danach geht es in die stoffliche Verwertung. Der Unterschied zwischen einem guten und einem schlechten Aufbereiter liegt übrigens genau bei den Verschleißteilen: Wer nur nachfüllt und die Walze drin lässt, spart Kosten und erzeugt die Streifen, für die Fremdkartuschen zu Unrecht bekannt sind.
Tonerstaub: der Teil, bei dem Sie aufpassen sollten
Tonerpulver hat eine Partikelgröße von etwa fünf bis zehn Mikrometern. Das ist klein genug, um eingeatmet zu werden und bis in die Lunge zu gelangen. In einer geschlossenen Kartusche ist das kein Thema, bei verschüttetem Pulver schon.
- Nicht mit dem Haushaltsstaubsauger aufsaugen. Die Partikel gehen durch den Filter und verteilen sich über die Abluft im ganzen Raum.
- Mit kaltem Wasser und einem Tuch aufnehmen. Warmes Wasser lässt den Kunststoff anschmelzen und sich im Gewebe festsetzen.
- Fenster öffnen und den Bereich feucht nachwischen.
- Auf Textilien kaltes Wasser verwenden und nicht reiben, sonst arbeitet sich das Pulver in die Fasern.
- Bei größeren Mengen einen Tonerstaubsauger mit HEPA-Filter nutzen oder einen Fachbetrieb rufen.
Was Sie nicht tun sollten
Kartuschen selbst aufschrauben und mit Pulver aus dem Beutel nachfüllen. Das wird im Internet als Sparmaßnahme verkauft, hat aber drei Probleme: Sie atmen Tonerstaub ein, die Verschleißteile bleiben unangetastet und produzieren Streifen, und der Chip meldet weiter "leer". Der Preisunterschied zu einer sauber aufbereiteten Kartusche rechtfertigt das nicht.
Ebenfalls keine gute Idee: Kartuschen monatelang in einer Ecke sammeln, bis sich zwanzig Stück angehäuft haben. Restpulver tritt mit der Zeit aus, und am Ende steht ein verstaubter Karton, den niemand mehr anfassen will.
Tintenpatronen und Farbbänder
Für Tintenpatronen gilt dasselbe wie für Toner: Wertstoffhof oder Rücknahmesystem, nicht in den Hausmüll. Patronen mit integriertem Druckkopf enthalten Elektronik, Patronen ohne immerhin noch Restflüssigkeit. Farbbänder und Farbbandkassetten für Nadeldrucker gehören ebenfalls zum Elektroschrott, weil das Gehäuse mit Farbträgerresten belastet ist.
Was der Umstieg konkret einspart
Beim Thema Umwelt wird viel behauptet und selten gerechnet. Die belastbaren Zahlen liegen bei der Herstellung, nicht beim Transport. Eine neu produzierte Tonerkartusche verursacht je nach Größe mehrere Kilogramm CO2-Äquivalent, wobei das Spritzgussgehäuse und das Pulver den größten Anteil tragen. Wird ein bestehendes Gehäuse aufbereitet, entfällt der Gehäuseanteil vollständig.
Rechnen wir es für ein kleines Büro durch, das zwölf Kartuschen im Jahr verbraucht. Zwölf Gehäuse, die nicht neu gespritzt werden müssen, sind über fünf Jahre sechzig Gehäuse. Dazu kommt, dass jedes dieser Gehäuse mehrfach läuft, der Effekt also mit jeder Runde zunimmt. Für die Abfallbilanz eines Unternehmens mit Umweltzertifizierung ist das eine Position, die sich dokumentieren lässt.
Ebenso wichtig und oft übersehen: Papier. Duplexdruck als Standardeinstellung halbiert den größten Materialposten überhaupt. Wer über Umweltwirkung beim Drucken nachdenkt und dabei nur auf die Kartusche schaut, lässt den dicken Brocken liegen.